
Wie Katzen Artgenossen am Uringeruch erkennen: Was die Forschung über Duftmarken zeigt
Katzen kommunizieren nicht nur über Körpersprache, Laute und direkten Kontakt. Eine wichtige Rolle spielt auch der Geruch. Katzen können bekannte Artgenossen offenbar anhand ihrer individuellen Duftmarken im Urin erkennen – und diese Geruchsinformationen über einen erstaunlich langen Zeitraum im Gedächtnis behalten.
Ein internationales Forschungsteam hat nun untersucht, welche chemischen Stoffe hinter dieser individuellen „Duftsignatur“ stecken. Die Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse darüber, wie Katzen Gerüche wahrnehmen und speichern – und könnten auch für das Verständnis des Sozial- und Territorialverhaltens von Katzen interessant sein.
Katzen erkennen bekannte Artgenossen am Uringeruch
Für Katzen ist der Geruchssinn ein wichtiges Kommunikationsmittel. Urinmarkierungen können beispielsweise Informationen darüber vermitteln, welches Tier ein bestimmtes Gebiet genutzt hat.
Die aktuelle Forschung zeigt, dass Katzen zwischen den Uringerüchen verschiedener Artgenossen unterscheiden können. Besonders interessant: Bekannte Gerüche erkennen die Tiere offenbar sehr schnell, selbst wenn sie über Monate nicht mit der entsprechenden Duftmarke konfrontiert wurden.
Bei unbekannten Katzen reagierten die Tiere dagegen deutlich intensiver. Sie schnupperten länger und zeigten häufiger die sogenannte Flehmen-Reaktion. Dabei öffnet die Katze leicht das Maul, um Geruchsstoffe besonders intensiv zu analysieren.
Für Katzenhalter ist dieses Verhalten häufig gut zu beobachten, beispielsweise wenn die eigene Katze auf einen unbekannten Geruch im Garten, an einer Tür oder auf einem Gegenstand aufmerksam wird.
13 Fettsäuren bilden eine individuelle chemische Signatur
Ein Forschungsteam um Masao Miyazaki von der Iwate-Universität in Japan untersuchte die chemischen Bestandteile des Katzenurins genauer. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Current Biology veröffentlicht.
Im Mittelpunkt stehen 13 sogenannte verzweigtkettige Fettsäuren (BFA). Ihre jeweilige Kombination unterscheidet sich offenbar zwischen einzelnen Katzen. Gleichzeitig bleibt das individuelle Muster bei einem Tier relativ stabil.
Damit entsteht eine Art chemischer Fingerabdruck:
- Jede Katze besitzt ein charakteristisches BFA-Profil.
- Das Profil unterscheidet sich von dem anderer Katzen.
- Die chemische Signatur bleibt vergleichsweise stabil.
- Katzen können diese Unterschiede offenbar wahrnehmen und bekannten Tieren zuordnen.
Die Forschenden vermuten deshalb, dass diese Verbindungen eine wichtige Grundlage für die individuelle Geruchserkennung bei Katzen darstellen.
Warum riechen Katzen an unbekannten Duftmarken länger?
Wenn Katzen auf einen bekannten Uringeruch treffen, fällt ihre Reaktion häufig relativ kurz aus. Bei einem unbekannten Geruch untersuchen sie die Duftquelle dagegen intensiver.
Die Wissenschaftler nutzten dieses unterschiedliche Verhalten, um herauszufinden, welche Moleküle für die individuelle Erkennung relevant sein könnten. Die Flehmen-Reaktion diente dabei als Hinweis darauf, dass ein bestimmter Geruch für die Tiere besonders interessant war.
So konnten die Forschenden schließlich die 13 BFA-Verbindungen identifizieren, die mit der individuellen Duftsignatur in Verbindung stehen.
Das ist auch aus Sicht der Katzenhaltung interessant: Gerüche können für Katzen wesentlich mehr Informationen enthalten, als Menschen wahrnehmen können. Ein Duft, der für uns kaum auffällig ist, kann für eine Katze eine umfangreiche chemische Information über ein anderes Tier darstellen.
Katzen speichern Duftinformationen offenbar langfristig
Besonders bemerkenswert ist die Dauer der Geruchserkennung. In den Untersuchungen reagierten Katzen auf den Geruch bekannter Tiere auch dann anders als auf unbekannte Gerüche, wenn sie die entsprechende Duftmarke über längere Zeit nicht mehr wahrgenommen hatten.
Das deutet darauf hin, dass Katzen individuelle Geruchsprofile über längere Zeit im Gedächtnis speichern können.
Für den Alltag kann das erklären, warum Katzen auf den Geruch eines anderen Tieres mitunter sehr spezifisch reagieren. Auch Veränderungen in der gewohnten Geruchsumgebung können für Katzen relevant sein.
Warum sind Fetttröpfchen in der Katzennniere wichtig?
Die Forschung liefert zudem eine mögliche Erklärung für ein seit langer Zeit bekanntes biologisches Rätsel.
In den Nieren von Katzen finden sich sogenannte Lipidtröpfchen beziehungsweise Fetttröpfchen. Diese Strukturen in der Nierenrinde sind bereits seit mehr als 100 Jahren bekannt. Ihre genaue Funktion war jedoch lange unklar.
Die neue Studie deutet darauf hin, dass die BFA-Verbindungen in diesen Fetttröpfchen gespeichert werden könnten. Dadurch könnten die Nieren dazu beitragen, eine relativ stabile chemische Signatur des Urins zu ermöglichen.
Wie genau die gespeicherten Fettsäuren aus den Fetttröpfchen in den Urin gelangen, ist allerdings noch nicht vollständig geklärt.
Auch Löwen, Tiger und Jaguare besitzen ähnliche Strukturen
Die Beobachtung beschränkt sich offenbar nicht auf Hauskatzen. Auch bei verschiedenen anderen Mitgliedern der Familie der Katzen, darunter Löwen, Tiger, Leoparden und Jaguare, wurden entsprechende BFA-Speicher in den Nieren festgestellt.
Allerdings unterscheiden sich die chemischen Profile zwischen den verschiedenen Arten. Die Forschenden vermuten deshalb, dass sich die Zusammensetzung dieser Duftstoffe im Laufe der Evolution innerhalb der Katzenfamilie verändert und spezialisiert haben könnte.
Damit eröffnet die Untersuchung nicht nur neue Perspektiven auf das Verhalten von Hauskatzen, sondern möglicherweise auch auf die Entwicklung der chemischen Kommunikation bei Katzenartigen.
Was bedeutet das für Katzenhalter?
Die Ergebnisse zeigen einmal mehr, wie wichtig der Geruchssinn für Katzen ist. Veränderungen in der Geruchsumgebung können für die Tiere eine größere Bedeutung haben, als Menschen häufig vermuten.
Neue Tiere im Haushalt, der Geruch fremder Katzen oder Veränderungen in der unmittelbaren Umgebung können deshalb interessante Reize darstellen. Gleichzeitig sollte auffälliges Verhalten rund um Urin und Duftmarkierungen nicht automatisch als normales Territorialverhalten abgetan werden.
Unsauberkeit, häufiges Urinieren, Schmerzen beim Urinieren, Blut im Urin oder plötzliches Markierverhalten können auch auf gesundheitliche Probleme hinweisen. Bei solchen Veränderungen sollte die Katze tierärztlich untersucht werden.
Tierarzt Stuttgart: Bei Veränderungen beim Urinieren frühzeitig abklären lassen
Wer eine Katze in Stuttgart hält und Veränderungen beim Urinieren oder Markierverhalten feststellt, sollte nicht ausschließlich das Verhalten beobachten. Gerade bei Harnwegsproblemen ist eine zeitnahe tierärztliche Untersuchung wichtig.
Ein Tierarzt in Stuttgart kann beispielsweise klären, ob hinter häufigem Urinieren, Schmerzen, verändertem Uringeruch oder Unsauberkeit eine Erkrankung der Harnwege, der Blase oder der Nieren steckt.
Dabei gilt: Nicht jede Urinmarkierung ist krankheitsbedingt – und nicht jede Veränderung des Uringeruchs bedeutet automatisch ein medizinisches Problem. Entscheidend sind das Gesamtbild und weitere Symptome.
Fazit
Katzen nutzen Uringerüche offenbar wie eine chemische Visitenkarte. Ein individuelles Muster aus 13 verzweigtkettigen Fettsäuren kann dazu beitragen, bekannte und unbekannte Artgenossen voneinander zu unterscheiden. Dass entsprechende Verbindungen in den Fetttröpfchen der Katzennieren gespeichert werden, könnte zudem das seit Jahrzehnten bekannte Rätsel um diese Strukturen erklären.
Die Forschung macht deutlich, wie komplex die Kommunikation über Gerüche bei Katzen ist. Für Katzenhalter ist sie zugleich eine Erinnerung daran, dass Veränderungen beim Urinieren oder Markieren aufmerksam beobachtet werden sollten. Bei auffälligen oder plötzlich auftretenden Beschwerden kann eine Untersuchung beim Tierarzt in Stuttgart helfen, gesundheitliche Ursachen frühzeitig zu erkennen.
Weiterführende Links:
oder hier weiter lesen:
Tierarzt Stuttgart – Dr. Andrianaly: Studie zeigt – Haustiere halten
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Dr. Ute & Ny Hery Andrianaly

